Reinhard Houben

Investitionen für morgen, statt Staatsbeteiligungen von gestern

FDP-Antrag zur Start-up-Finanzierung

Die Freien Demokraten im Bundestag wollen einen Zukunftsfonds für die Finanzierung von Start-ups schaffen. Ziel ist es, mehr Venture Capital bereitzustellen. „Gründern in Deutschland fehlt es vor allem in wichtigen Wachstumsphasen an Geldgebern, die ihre Geschäftsideen mit höheren Millionenbeträgen finanzieren. Mehr Mitarbeiter, neue Technik und die Expansion in neue Märkte müssen finanziert werden. Leider gibt es zu viele Beispiele, in denen deutsche Start-ups besser waren als ihre internationalen Wettbewerber, aber dann überholt wurden, weil ihnen die Finanzierung fehlte“, schildert Bettina Stark-Watzinger, Mitglied des Deutschen Bundestags und Vorsitzende des Finanzausschusses, das Problem.

Gemessen am BIP fehlen in Deutschland ca. 10 Mrd. Euro an Venture Capital im Vergleich zu gründerfreundlichen Staaten wie China, Israel oder den USA. Laut einer Bitkom-Studie denkt jedes vierte Start-up über den Umzug ins Ausland nach. Hauptgrund: Ausreichend Kapital, den Geschäftsbetrieb und das Wachstum zu finanzieren, ist nicht vorhanden. „Viele gründen ihr Unternehmen auch direkt im Ausland. Wir dürfen uns nichts vormachen – Zukunftschancen für ein ganzes Land wandern derzeit ab“, so Stark-Watzinger.

Der Zukunftsfonds soll ein erster großer Schritt sein, die Finanzierungslücke zu schließen. „Netter Nebeneffekt“, führt Stark-Watzinger fort: „Derzeit profitieren vor allem ausländische Rentner von den Start-up-Erfolgen hierzulande. Ihr Pensionsfonds ist über Venture-Capital-Fonds an den Gründerfirmen beteiligt. Durch den Zukunftsfonds können wir das ändern und die Menschen in Deutschland, die betrieblich und privat vorsorgen, an den Erfolgsstorys beteiligen.“

Mindestens 1 Mrd. Euro sollen von professionellen Investoren eingesammelt werden. Stark-Watzinger ist davon überzeugt: „Versicherungen und Pensionsfonds würden gern stärker zur Wachstumsfinanzierung beitragen. Dies wird aber derzeit nach den Eigenkapitalanforderungen regulatorisch quasi bestraft. Durch die Übernahme des Risikos durch die KfW fallen die hohen Eigenkapitalanforderungen bei Versicherungen und Pensionsfonds weg.“

„Um gleich richtig durchzustarten, wollen wir die Staatsanteile an Telekom und Post schrittweise verkaufen und teilweise dem Zukunftsfonds zuführen. Das Kapital ist bislang an völlig falscher Stelle gebunden“ “, so der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben. Es würde dem Zukunftsfonds gleich zu einer notwendigen Größe verhelfen.

Orientiert am dänischen Dachfondsmodell, soll der Zukunftsfonds eine Brücke zwischen der Nachfrage nach Venture Capital einerseits und den hohen vorhandenen Sparvolumen der Deutschen bauen. Der Zukunftsfonds würde nach den Plänen der FDP bei der KfW angesiedelt. Dieser sammelt privates Kapital von Investoren ein und investiert in Venture-Capital-Fonds, die wiederum in Start-ups investieren. Die Investoren bekommen eine garantierte Verzinsung, der Zukunftsfonds trägt das Verlustrisiko, profitiert aber auch von den Gewinnen, die durch erfolgreiche Start-up-Ideen entstehen. Reinhard Houben betont: „Wir wollen Investitionen für morgen, statt Staatsbeteiligungen von gestern.“